Der Koran im Dialog mit syrischem Christentum: Wiederkehrende Motive und Transformationen

Der Einfluss von spätantiken syrischen Texten auf den Koran wird bereits seit langer Zeit diskutiert. So auch in dem von Ana Daitashvili herausgegebenen Band „The Qurʾān and Syriac Christianity: Recurring Themes and Motifs“. Darin werden wiederkehrende Motive untersucht, die sowohl im Koran als auch in jenen syrisch-christlichen Texten vorkommen. Syrisch bezieht sich in dem Fall primär auf die syrische Sprache und die damit verbundenen christlichen Traditionen der Spätantike.

Der Band beinhaltet auch einen Aufsatz von Christian Lange mit dem Titel „Life as a Spiritual Struggle with the Evil One in Pre-Islamic Syriac Texts: The Theological Background to the Qurʾanic Idea of Spiritual Jihād?“, in dem er der Frage nachgeht, ob vorislamische syrische asketische Texte eine Art theologisches Fundament gebildet haben könnten, vor dessen Hintergrund sich das koranische Konzept eines „spirituellen“ oder „geistigen“ Jihads verstehen lässt.

Intertextualität und Transformation: Der Koran im Dialog mit seinem syrisch-christlichen Milieu

Konkret beschäftigt sich der Band mit verschiedenen Fragestellungen, die Zusammenhänge, aber auch Unterschiede erklären sollen:

  • Identifizierung: Welche Themen und Motive treten in beiden Traditionen wiederkehrend auf?
  • Exklusivität: Finden sich diese Motive ausschließlich in syrischen Texten oder auch in anderen (z. B. jüdischen oder griechischen) Quellen?
  • Theologische Relevanz: Wie wichtig sind syrische Texte für das Verständnis der koranischen Theologie im Vergleich zu anderen zeitgenössischen Einflüssen?
  • Abgrenzung und Transformation: Wie wandelt der Koran diese christlichen Konzepte ab, um seine eigene, distinkte theologische Botschaft zu formulieren?

Christian Langes Beitrag leitet dabei den zweiten Teil des Bandes ein, der sich mit nichtmilitärischen und militärischen Formen des Jihads befasst. Er thematisiert darin, inwiefern syrische Texte mit ihrem Verständnis vom Leben als spirituellem Kampf gegen das Böse eine Grundlage für das Konzept des spirituellen Jihads liefern können. Weiterhin zeigt er auf, wie sich der Koran verschiedene christliche Motive aneignet und diese aus ihrem ursprünglichen christlichen Kontext herauslöst. Zusätzlich befasst er sich damit, welche Unterschiede zwischen den Texten bestehen und welche Vorbilder oder Motive im Koran keine Rolle spielen.

Über die Reihe

Der Band „The Qurʾān and Syriac Christianity: Recurring Themes and Motifs“ ist Teil 28 der Reihe „Texts and Studies on the Qurʾān“, in der knapp einmal jährlich ein neuer Band im Brill-Verlag veröffentlicht wird. Darin erscheinen wissenschaftliche Arbeiten, die sich mit der Erforschung des Korans und seiner Auslegung aus verschiedenen Perspektiven beschäftigen. Im Mittelpunkt stehen sowohl der Korantext selbst als auch seine Interpretation, Überlieferung und Wirkung in Vergangenheit und Gegenwart.

👉 Den vollständigen Band finden Sie hier.