Recode the Soul: Religiöse Motive und digitale Zukunft beim NUEDIGITAL 2026

v.l. Jan Gehm, Ramy Abdin, Nathanael Riemer

Elf Tage lang stand die Metropolregion Nürnberg ganz im Zeichen der digitalen Zukunft. Unter dem prägenden Festival-Motto „Recode the Future“ brachten 220 Events und 750 Speaker über 18.000 Teilnehmende zusammen. Vom spektakulären Auftakt mit dem Cyborg-Pionier Neil Harbisson und Ecosia-Gründer Christian Kroll in der Meistersingerhalle bis hin zum Bayerischen Digitalgipfel im Germanischen Nationalmuseum wurde deutlich: Die Region gestaltet den digitalen Wandel aktiv, kritisch und vernetzt.

Für uns als Bayerisches Forschungszentrum für Interreligiöse Diskurse (BaFID) bot das NUEDIGITAL 2026 die ideale Plattform, um eine zentrale Frage unserer Zeit zu beleuchten: Wie verändern Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Transhumanismus unser Verständnis von Religion, Ethik und Menschsein?

Unser Beitrag: „Silicon Salvation – Die Neuerfindung des Heiligen in Code, Anime und Games“

Am 30. Juni 2026 luden wir an die FAU WiSo in Nürnberg zu einer dreiteiligen Expedition in unsere post-humanistische Zukunft ein. Vor einem interessierten Publikum aus der Tech-Community, der Wissenschaft und Popkultur-Begeisterten beleuchteten drei Vorträge die Schnittstellen von Technologie und Religion:

  • Willkommen im Zeitalter des (Robo-)Messias (Ramy Abdin, M.A.) Ein religionswissenschaftlicher Blick auf transhumanistische Visionen und den Mythos des Cyborgs. Der Vortrag hinterfragte technokratische Zukunftsutopien und die religiöse Aufladung technologischer Beschleunigung.
  • Zwischen Geist, KI, Göttern und Cyborgs (Jan Gehm, M.A.) Eine Analyse japanischer Animes und deren Verflechtung von High-Tech und Spiritualität. Aufgezeigt wurde, wie moderne Medien Sinnfragen, Identität und neue Gottesbilder im Zeitalter Künstlicher Intelligenz verhandeln.
  • Mankind getunt: Was Cyborgs und Videospiele mit Religion zu tun haben (Dr. Nathanael Riemer) Von Klassikern wie Syndicate bis zu aktuellen Titeln: Der Vortrag analysierte den ethischen und religiösen Gehalt digitaler Körperoptimierung in der Gaming-Kultur und stellte die kritische Frage nach einer drohenden Spaltung der Gesellschaft („mankind divided“).

Digitale Zukunft braucht interreligiöse und ethische Reflexion

Das Festival hat gezeigt, dass Künstliche Intelligenz und technologischer Fortschritt weit mehr sind als rein technische Herausforderungen. Das Motto „Recode the Future“ bedeutet für uns auch, die ethischen, kulturellen und religiösen Fundamente unserer Gesellschaft im digitalen Zeitalter neu zu reflektieren und mitzugestalten.