„Und der Logos ist Fleisch geworden“: Neue Publikation von Prof. Dr. Christian Lange zur Christologie

Wer war Jesus von Nazaret? Prophet, Messias oder Gott selbst? In seinem neu erschienenen Werk wirft Prof. Dr. Christian Lange, stellvertretender Direktor des BaFID, einen innovativen Blick auf die Lehrentwicklung der Alten Kirche – und weitet die Perspektive dabei weit über den Rand des Römischen Reiches hinaus.

Frisch im Herder-Verlag erschienen, bietet der Band „Und der Logos ist Fleisch geworden“ eine kompakte, aber tiefgründige Geschichte der christologischen Lehrentwicklung. Christian Lange, Professor an der FAU Erlangen-Nürnberg, beschränkt sich dabei nicht auf die klassischen Pfade der Kirchengeschichte, sondern bezieht ökumenische und interreligiöse Dimensionen konsequent mit ein.

Eine Geschichte der Vielfalt: Über Grenzen hinweg

Das Buch zeichnet die Debatten von den ersten neutestamentlichen Ansätzen bis ins 7. Jahrhundert nach. Das Besondere: Lange blickt über die Grenzen des Imperium Romanum hinaus. Er beleuchtet christologische Entwürfe im Perserreich sowie in den Kirchen Armeniens und Äthiopiens.

„Die Kirche war schon immer pluraler und vielstimmiger, als wir oftmals meinen“, betont Lange in einem aktuellen Interview mit katholisch.de. Diese „frühchristliche Polyphonie“ sei ein entscheidendes Werkzeug, um die heutige Verschiedenheit im Christentum nicht als Makel, sondern als Reichtum anzuerkennen.

Interreligiöse Impulse: Jesus im Judentum und im Koran

Ein Markenzeichen der Arbeit am BaFID ist der Blick auf den interreligiösen Diskurs. Konsequent nimmt Langes Publikation daher auch die Sichtweisen des rabbinischen Judentums und des Korans in den Fokus. Damit wird deutlich: Die Frage nach der Identität Jesu war und ist ein zentraler Berührungspunkt – und manchmal auch Reibungspunkt – zwischen den monotheistischen Religionen.

Relevanz für heute: Ökumene und moderne Spiritualität

Warum ist der Streit um Begriffe wie „Zwei-Naturen-Lehre“ aus dem 5. Jahrhundert heute noch relevant? Für Lange ist die Antwort klar:

  • Ökumenischer Dialog: In der modernen Ökumene sind viele der alten christologischen Spaltungen heute beigelegt. Rom und die Kirchen des Ostens finden zunehmend zu einer „Einheit in der Vielheit“ zurück.
  • Spirituelle Suche: In einer säkularen Welt suchen viele junge Menschen nach neuen Zugängen zu Jesus. Die alten, oft bildhaften und emotionalen Traditionen des Ostens bieten hier wertvolle Impulse jenseits rein philosophischer Systematiken.

Das Werk von Christian Lange ist somit mehr als ein historisches Überblickswerk; es ist ein Plädoyer für einen offenen, mutigen Diskurs über den Kern des christlichen Glaubens in einer multireligiösen Gesellschaft.

Lange, Christian (2026) „Und der Logos ist Fleisch geworden – Kleine Geschichte der christologischen Lehrentwicklung in der Alten Kirche“, Verlag Herder, Freiburg 2026.