Ein Meilenstein der Geschwisterlichkeit: Rückblick auf den Themenabend zum Abu-Dhabi-Dokument

Wie kann das Zusammenleben der Religionen in einer krisengeschüttelten Welt gelingen? Am 26. März widmeten sich Jan Gehm und Ramy Abdin in Leutenbach einer der bedeutendsten Friedensinitiativen der jüngeren Geschichte: dem Abu-Dhabi-Dokument.

Im Rahmen der Vortragsreihe Gesellschaft – Politik – Religion verwandelte sich das Pfarrheim St. Jakobus in einen Ort des intensiven interreligiösen Austauschs. Unter dem Titel „Das Abu-Dhabi-Dokument – ein christlich-islamischer Friedensappell für eine bessere Welt“ beleuchteten die beiden Referenten die wechselvolle Geschichte und die gegenwärtigen Herausforderungen des christlich-islamischen Verhältnisses.

Ein Dokument, das Geschichte schreibt

Im Fokus des Abends stand das im Februar 2019 von Papst Franziskus und Großscheich Ahmad at-Tayyib unterzeichnete „Dokument über die Geschwisterlichkeit aller Menschen“. Jan Gehm und Ramy Abdin stellten die Kernbotschaften dieses wegweisenden Textes vor:

  • Anerkennung der Würde: Die gemeinsame Verpflichtung zum Schutz der Menschenwürde weltweit.
  • Absage an Gewalt: Der klare Appell, Religion niemals zur Rechtfertigung von Hass oder Extremismus zu missbrauchen.
  • Kultur des Dialogs: Die Etablierung des gegenseitigen Verständnisses als Weg und der Zusammenarbeit als Maßstab.

Die Referenten verdeutlichten, dass dieses Dokument weit mehr als eine diplomatische Geste ist – es ist ein dringlicher Ruf nach einem friedlichen Miteinander, der alle Ebenen der Gesellschaft adressiert.

Vom Weltdokument zum gelebten Alltag

Nach der Vorstellung des Dokuments entwickelte sich ein lebendiger Dialog mit dem Publikum. Dabei kristallisierte sich eine zentrale Frage als „roter Faden“ heraus: Wie kann dieser theoretische Friedensappell im praktischen Alltag umgesetzt werden?

Die Teilnehmenden diskutierten intensiv darüber, welche Voraussetzungen – von Neugier bis hin zur gegenseitigen Fehlertoleranz – nötig sind, damit der Dialog zwischen Christen und Muslime in der Nachbarschaft, im Beruf und im gesellschaftlichen Ehrenamt gelingt. Integration in diesem Zusammenhang bedeutet auch sich mit dem Gegenüber zu befassen, statt nur nebeneinander zu leben.

Starke Kooperation für den Diskurs

Die Veranstaltung unterstreicht die Bedeutung regionaler Vernetzung für den interreligiösen Dialog. Organisiert wurde der Abend vom Kultur- und Förderverein Leutenbach in enger Kooperation mit der KEB – Katholische Erwachsenenbildung BA-FO-ERH e.V.

Für das BaFID zeigt dieser Abend einmal mehr: Der große Friedensappell von Abu Dhabi entfaltet seine Kraft dort, wo Menschen vor Ort zusammenkommen, Fragen stellen und einander zuhören.