Wissen als Grundlage für besseres Verständnis

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Um die Situation für Angehörige der muslimischen Mehrheit und der christlichen Minderheit im Senegal ging es bei einem u. a. von BaFID organisierten Gespräch. Foto: Michael Kleiner

Je besser die nachwachsenden Generationen über die jeweils andere Religion informiert sind, um so mehr nehmen gegenseitiges Verständnis und wechselseitige Toleranz zu. Mit dieser Aussage lässt sich eine Diskussionsrunde zusammenfassen, die unlängst in den Räumen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zwischen dem katholischen Bischof der Diözese Thiès im Senegal, Bischof André, und Khalif Moutaga Tall auf Einladung des Bayerischen Forschungszentrum für Interreligiöse Diskurse und des Referats Weltkirche des Erzbistums Bamberg stattgefand.

Die beiden Vertreter ihrer Religionen weilten im Rahmen eines Programms der katholischen Hilfsorganisation „Missio“ in der Erzdiözese Bamberg. „Daher ist die Idee entstanden, mit Forschenden wie Studierenden am Bayerischen Forschungszentrum für Interreligiöse Diskurse in einen direkten Austausch zu treten,“ erklärt Michael Kleiner vom Referat Weltkirche des katholischen Bistums.

Deutlich wurde im Gespräch, wie beide Gesprächsteilnehmer, der katholische Bischof und der muslimische Khalif, hervorhoben, dass der senegalesische Staat zwar religiös neutral agiere, in Fragen der Erziehung, der Wertevermittlung oder des gesellschaftlichen Zusammenhalts aber mit den Religionsgemeinschaften kooperiere – und das „auf Augenhöhe“, auch wenn rund 90 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner des afrikanischen Landes muslimische und nur rund zehn Prozent christliche Gläubige sind. Als es beispielsweise jüngst zu Auseinandersetzungen im Zuge der Corona-Krise gekommen sei, habe sich der Staat an die religiösen Führer gewandt, welche dann rasch zu einer Beruhigung der Situation durch Vermittlung der zentralen Anliegen der Protestierenden beigetragen hätten.

Trotz dieses guten Miteinanders werde der religiöse Friede im Land allerdings durch einen schleichenden Fundamentalismus in Frage gestellt, welcher aus dem Ausland in den Senegal hineingetragen werde, sagten beide Gesprächspartner. Eine Antwort auf diese Herausforderung hatten Khalif wie Bischof parat: Gerade in die Bildung und Erziehung der nachwachsenden Generationen müsse weiter investiert werden. Denn nur durch eine gute Kenntnis der religiösen Anliegen und des sozialen Einsatzes des jeweils anderen wüchsen gegenseitige Toleranz und Zusammenhalt. Und daran wollen beide Seiten mitarbeiten.

„Es war eine spannende Diskussion, in der wir viel über die religiöse Situation in einem Land erfahren haben, über das viele bei uns nicht besonders gut informiert sind“, zog daher der Direktor des Bayerischen Forschungszentrums für Interreligiöse Diskurse, Prof. Dr. Georges Tamer, ein positives Fazit des von PD Dr. Christian Lange (BaFID) moderierten Gesprächs. Weitere solche Gespräche in Erlangen seien aus diesem Grunde gut vorstellbar.